• S. Marzian

Das Leben ist maskenhaft


Die Maske. So langsam gewöhne ich mich daran und finde es nicht mehr seltsam, im Karnevalslook vor die Tür zu gehen.

Wenn man dort hin geht, wo Menschen aufeinander treffen, finde ich es grandios interessant Szenen des Lebens mitzuerleben, die einen nachdenklich stimmen. Ich nenne es den Maskentanz.

Die Menschen entdecken und entwickeln tatsächlich eine neue Art der Kommunikation und des sozialen Miteinanders. Wenn man so will, befinden wir uns in einer Art Evolutionsstufe - wobei es sich wohl erst in ein paar Jahren zeigen wird, wohin uns diese Entwicklung geführt oder zurück geworfen hat.

Was die moderne Frau von heute in Bezug auf die Maske bewegt, ist nicht etwa ihre Notwendigkeit, sondern: Passt sie zu meinem Outfit? Einige Designer und große Modeketten sind selbstredend direkt auf den Trendzug aufgesprungen und bieten nun DAS Musthave 2020, diesen stilvollen Mund- und Nasenschutz in unterschiedlichsten Ausführungen an.

Der Berliner Designer Dawid Tomaszewski bietet in seinem Shop beispielsweise Masken aus hochwertigen Coutur-Stoffen mit schicken Bauhaus-Mustern für schlappe 29€ an. Es geht aber auch durchaus teurer, mit Pailletten bestickt oder aus feinster Spitze. Wer mehr Kopf-Schüttel-Bedarf hat, diesen Artikel über das neue Fashion Statement fand ich sehr passend.

Wenn Ihr wissen wollt, was ich für eine Maske trage? Schlicht und ergreifend: Weiß. Das passt zu allem.


Die Leute, bei denen die Notwendigkeit der Maske im Fokus steht, bauen eher darauf, dass sie schützt und dass sie genug davon haben, um in jeder Situation gewappnet zu sein. Meine Schwiegermutter hat mittlerweile überall ihre Masken verteilt: eine im Auto, eine Zuhause auf dem Küchentisch, zwei in der Handtasche und eine in der Jackentasche.

Wenn Ihr mich fragt, sie ist allzeit bereit.

Das Sozialverhalten mit Maske ist durchaus ein anderes. Mir ging die Frage durch den Kopf, ob die Maske unsere Gesellschaft zum Schweigen bringt? Oder zumindest den Lautstärkeregler kräftig nach unten schraubt?

Es ist Euch ganz bestimmt auch schon passiert, dass ihr der Verkäuferin im Geschäft eine ganz einfache Frage stellen wolltet. Ihr dann aber nach mehrminütigem gegenseitigem Angenuschel und der mehrfachen Nachfrage, was das Gegenüber denn gesagt habe, frustriert von dannen gezogen seit. Entweder schreien oder schweigen. Eine andere Option gibt es mit Maske nicht.

Der Lieblingsmann findet es wunderherrlich, im Laden eine Maske zu tragen. Zudem ist seine schwarz, da trauen sich die meisten Leute erst recht nicht, ihn anzusprechen und er kann ganz in Ruhe seinen Einkauf erledigen.

Dieses schweigende Miteinander hat definitiv etwas Friedliches, findet Ihr nicht? Oder ist es einfach nur eremitös?

Grenzen wir uns dadurch mehr ab? In jedem Fall macht es einem nicht leichter, den Gemütszustand des Gesprächspartners einzuschätzen. Die Vorstellung, dass eine gequälte Grimasse unter der Maske ebensogut als freundliches Lächeln interpretiert werden kann, finde ich sehr verwirrend.


Vor ein paar Tagen auf dem Parkplatz vor unserem Supermarkt blieb ich einfach am Auto stehen und sah mich um. Die meisten Leute, die einparkten und ausstiegen hatten ihre Masken bereits aufgesetzt. Andere kramten auf dem Weg zum Eingang in ihren Handtaschen danach rum und versuchten Schlüssel und Taschenhenkel in der einen mit der anderen Hand umständlich das notwendige Kleidungsstück am Kopf zu befestigen.

Ein Autofahrer hupte, weil ihm eine Frau dabei fast vor den Kühlergrill gesprungen war. Ja, sie birgt auch einige gefährliche Gesundheitsrisiken, dieses lästig-notwendige Mode-Accessoire.

Fräulein Anneliese ist übrigens wieder zu Besuch auf dem dünnsten Ast unseres Pflaumenbaums.

Sie kümmert das Maskendrama nicht.

Das gönne ich ihr.

(Falls Ihr unsere Taube nicht kennt: Hier mein Bericht zu Fräulein Anneliese gurrt.)


Ich hätte Euch noch so viel zu erzählen,

aber morgen ist ja auch noch ein Tag.

Habt noch einen schönen Tag und bleibt gesund!

Eure Stephy

__________________________________________

Warum ich das mit dem Schreiben mache? Weil diese Wörter aus mir raus purzeln und es doch irgendjemanden geben muss, der sie auffängt, bevor sie auf den harten Boden der Realität knallen.

__________________________________________

Möchte zum Schluss noch kurz auf die Kommentarfunktion hinweisen, die gerne benutzt werden kann, meinerseits aber noch nicht optmiert wurde, sodass zur Zeit noch eine Anmeldung von Nöten wäre. Ist eben noch alles Neuland hier. Mein Künstlerherz würde es aber freuen. Außerdem kann, wer sich gemüßigt fühlt, meinen Künstler-Topf mit einem kleinen Obolus füllen. Gutscheine verkaufe ich allerdings nicht. Er wird regelmäßig geleert. Gerne schreibe ich Euch, zu welchem kreativen Zweck sein Inhalt genutzt wurde.

SMarziART auf Twitter

5 Ansichten
  • Facebook
  • Twitter
  • Pinterest
  • Instagram

©2020 sMarziArt