• S. Marzian

Die hellste Kerze auf der Torte


Sommerferien.

Schön ist es gerade.

Sonnig und warm.

Die Grillen zirpen.

Gefühlt hatten wir in diesem Jahr einen fließenden Übergang von Winterferien über Osterferien und Coronaferien bis hin zu den Sommerferien. So viel freie Zeit hätten wir uns 2019 nicht träumen lassen!

Naja, Arbeit und Schule mussten ja dann doch irgendwie gewuppt werden. Das haben wir aber geschafft. Weil wir uns gemeinsam für eine Sache eingesetzt haben. Für unsere Gesundheit und die der Menschen in unserem Umfeld. Wir haben uns an Regeln gehalten, die die Infiziertenzahlen zurück gehen ließen.

Mit Beginn der Sommerferien hatte ich aber das starke Gefühl, dass sich bei einigen Mitmenschen ein Schalter ganz von alleine umlegte. KLICK! und es ging einzig und allein darum, ob man denn trotz Corona die schon lange geplante und gebuchte Urlaubsreise eintreten könne.

Generell macht sich gerade bei mir ein ungutes Grummel-Gefühl im Bauch breit. Erst ist es wie ein Kribbeln. Mit jeder Meldung über Urlauber, die den Virus aus anderen Ländern von Ihrer Reise einschleppen, mutiert es aber zu einem ausgewachsenen Orkan, der von innen heraus kräftig an meinem Nervengerüst rüttelt.

In meinem Kopf geht es gerade zu wie in der Sesamstraße. Ständig ploppen dieselben Fragen auf: Wieso müssen die Leute unbedingt in diesem Jahr verreisen? Weshalb denken diese Deppen nur an sich? Und warum denkt unsere Regierung JETZT ERST (!) darüber nach, welche Maßnahmen zur Eingrenzung des Virus an Flughäfen getroffen werden könnten sollten müssten??

Mögliche Antworten: Weil es schon immer so war? (Der Mensch ist ein Gewohnheitstier - blablabla…) Weil der Mensch im Grundsatz narzisstisch veranlagt ist? Weil eben aus welchen Gründen auch immer?

Für manche Menschen ist es unvorstellbar, nicht im Sommer in den Flieger zu steigen. Nicht in einer Buffettschlange in einem Hotelkomplex in der Touristenhochburg zu stehen. Nicht wie die die Ölsardinen Handtuch an Handtuch gemeinschaftlich in der Mittelmeersonne zu schwitzen.

Die, die so etwas bewusst wollen, sind für mich wirklich nicht die hellsten Kerzen auf der Torte.

Darauf kann ich gerne verzichten.

Auch ohne Corona.


Generell möchte ich nicht vorschnell über Menschen urteilen, die womöglich Monate lang darauf sparen, um wenigstens einmal im Jahr verreisen zu können. Andererseits sieht man doch an derzeit schon so vielen Beispielen wie einem Ehepaar, das mit Husten aus der Türkei kam, sich nicht hat testen lassen und somit 50 Personen in deren Umfeld angesteckt haben, welche Ausmaße derartig sorgloses Handeln haben kann.

Mein Kopf schüttelt sich gerade wieder von selbst.

Und ganz im Ernst, in Deutschland gibt es auch viele schöne Ecken zum Urlaub machen!

Wie wäre es denn mit dem wunderschönen Niederrhein. Das Land ist flach, perfekt zum Radfahren. Der Rhein lädt zu Spaziergängen an seinem sandigen Ufer ein. Seine plätschernden Wellen und das Kreischen der Möwen stillt die Sehsucht nach Meer.

Dann noch ein Gläschen Wein oder Sanddornlikör auf Vanilleeis auf der Terrasse und der Urlaub ist perfekt. Warum nur schießt mir gerade Ach wie schön ist Panama durch den Kopf?

Bei all der Sorge um die nahe Zukunft klimpern mich jeden Tag zwei süße Racker mit ihren Kugelaugen an. Ratze und Fatze, das Meerschwein-Duo. Sie hüpfen und gurren, wenn sie zufrieden sind (wenn sie Löwenzahn bekommen, sind sie das immer). Da kommt mir der Gedanke, ob sie sich wohl mit Fräulein Anneliese unterhalten können? Vielleicht beherrschen Meerschweinchen taubisch? Ich hätte da doch so viele Fragen. Zum Beispiel wieso sie immer auf dem dünnsten Ast landet? Und wie sie es hinbekommt, dass dieser noch nie unter ihrem Wuchtbrummen-Gewicht nachgegeben hat?

Manche der Meerschweinchen-Gräusche hören sich aber auch an wie glucksendes Meerwasser, dass sich zwischen den Steinen der Molen fängt.

Putzig.

Ganz so süß sind unsere Feriengäste dann doch nicht mehr, wenn einer - sagen wir, es ist Fatze - gerade dann ausbüchst, wenn im Wohnzimmer die Lego-Kisten des Sohnes explodiert sind.

Mit Vorliebe hinterlässt Fatze seine Köddelspur natürlich zwischen den bunten Steinen. Man stakst wie ein Storch im Salat, um weder auf die spitzen Steinchen noch auf die Köddel zu treten. Laute wie Au!, Autsch!, Grrr!, Ihhhääähhhh! und Meehhhh! sind abwechselnd von den Teilnehmern der Einfangaktion zu vernehmen. Da Fatze es liebt, sich in sein Häuschen zu verkrümeln, hoppelt er in die Lego-Ritterburg. Und ZACK!

Ich liebe es, wenn eine Geschichte ein Happy End hat.


Ich hätte Euch noch so viel zu erzählen,

aber morgen ist ja auch noch ein Tag.

Habt noch einen schönen Tag und bleibt gesund!

Eure Stephy

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Warum ich das mit dem Schreiben mache? Weil diese Wörter aus mir raus purzeln und es doch irgendjemanden geben muss, der sie auffängt, bevor sie auf den harten Boden der Realität knallen.

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Zum Schluss noch kurz auf die Kommentarfunktion hinweisen, die gerne benutzt werden kann, mein Künstlerherz würde es freuen. Außerdem kann, wer sich gemüßigt fühlt, meinen Künstler-Topf mit einem kleinen Obolus füllen. Gutscheine verkaufe ich allerdings nicht. Er wird regelmäßig geleert. Gerne schreibe ich Euch, zu welchem kreativen Zweck sein Inhalt genutzt wurde.

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