• S. Marzian

Exotische Mischungen und Verhaltensmustertiere


Der Weg, auf dem wir am Sonntag flanierend spazieren, ist von Pappeln gesäumt. Sie sind schon alt und überragen die Gebäude in der Nähe mit ihren rauschenden Kronen um einige Meter. Bei den herrlichen Sommertemperaturen fällt uns eins besonders auf: alle Leute (und ich meine eine sehr große Menge), die bei gutem Wetter vor die Tür gehen, steigen direkt aufs Rad und fahren genau hier und genau zu der Zeit herum, wenn wir gemütlich dahin gehen möchten. Ständig hören wir ein drängelndes PLING hinter uns, dann springt einer von uns vor den anderen, damit die Drahteselquäler vorbei strampeln können.

Interessant, dass es in den allermeisten Fällen Pärchen sind, die uns begegnen. Noch interessanter: Er fährt vor und sie folgt ihm. In gebührendem Abstand von etwa vier Metern. Versteht sich. Ich bezweifle allerdings, dass es etwas mit den Hygienevorschriften zu tun hat. Vielleicht hat es etwas mit Ihrer Beziehung zu tun? Hätten sie sich noch etwas zu sagen, würden sie nebeneinander fahren. Punkt. Die Möglichkeit bestünde.

Ebenfalls auffallend sind die ausdruckslosen Gesichter. Ich selbst versuche Menschen immer mit einem Lächeln zu begegnen. Meist lächeln sie dann zurück. Nicht aber die Radfahrer an diesem Tag. Manche haben noch rote Gesichter dazu. Manche kneifen angestrengt die Augen zusammen, um entweder den Weg vorzugeben und freizuhalten (im Falle des Mannes) oder um mit dem vorgegebenen Tempo mitzuhalten (im Falle der Frau).

Ich hätte nie gedacht, dass wir anhand dieser repräsentativen Gruppe ein solch imposant eindeutiges Ergebnis erhalten. Mein Kopf schüttelt sich von ganz allein. Das ist doch alles sehr nachdenkenswürdig.

Wieso machen diese Menschen den Anschein, als ob sie gar nicht gerne tun, was sie gerade tun? Und vor allem: Warum tun sie es dann überhaupt gemeinsam? Weil es Sonntag ist? Weil es alle tun? Weil man am Wochenende eben etwas unternehmen muss - die Woche ist ja schon stressig genug, da kann man sich ja am Sonntag mal die Seele aus dem Leib strampeln. Wenn ich mit jemandem etwas unternehme, gehen oder fahren wir wie eben erwähnt neben einander her, damit ein Gespräch stattfinden kann. Es scheint aber, als ob hier generell der Mann der Frau möglichst weit voraus fährt, um ihrem Redensdrang zu entkommen.

Bevor meine Gedanken wildere Ausmaße erreichen können, holt mich meine Begleitung mit einem anderen Interessanten Thema aus dem Rollenverhalten-Einöde-Horror-Szenario: Geschmackskombinationen, von denen man nicht erahnen würde, dass sie eine himmlische Explosion im Mund erzeugen würden, am Beispiel von Marmelade. Sie führt ein Trio ins Feld, was für mich zunächst sehr exotisch klingt: Orangen, Holunder- und Rosenblüten. Bei näherer Betrachtung verbinden sich aber die Blütendüfte und das aromatische Obst zu einer süßen Fata Morgana in meinem Mund.

Meine favorisierte Mischung Das-geht-ja-gar-nicht Kombinationen ist aber unangefochten Himbeer-Lavendel-Marmelade. Die vollmundige Süße der Himbeere trifft auf den leicht herben Duft der Lavendelblüte. Wunderherrlich!

Die beiden Rezepte habe ich für Interessierte unten angehängt.


Auf dem Rückweg genießen wir die etwa einen halben Kilometer freie Sicht. Bis hin zum Deich, hinter dem der Rhein vor sich hin plätschert und der ein oder andere Motor eines Lastenkahn dahin tuckert. Auf den weiten Wiesen davor bemerken wir zwei Reier, die durch das hohe Gras staksten. Verblüfft bleibe ich stehen und mein Kopf schüttelt sich schon wieder von ganz alleine. Wie sollte es auch anders sein: Das Weibchen folgte dem Männchen. Hält den Mindestabstand ein und beschwerte sich nicht.

Wir sind alle eben Verhaltensmuster-Tiere.

Ich hätte Euch noch so viel zu erzählen,

aber morgen ist ja auch noch ein Tag.

Habt noch einen schönen Montag, bleibt gesund!

Eure Stephy

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Warum ich das mit dem Schreiben mache? Weil diese Wörter aus mir raus purzeln und es doch irgendjemanden geben muss, der sie auffängt, bevor sie auf den harten Boden der Realität knallen.

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Möchte zum Schluss noch kurz auf die Kommentarfunktion hinweisen, die gerne benutzt werden kann. Mein Künstlerherz würde sich über Anregungen und Lob sehr freuen. Außerdem kann, wer sich gemüßigt fühlt, meinen Künstler-Topf mit einem kleinen Obolus füllen. Er wird regelmäßig geleert. Gerne schreibe ich Euch, zu welchem kreativen Zweck sein Inhalt genutzt wurde.

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Orangen-Holunder-Rosenblüten Marmelade


500g Orangen

2 Hände voll Rosenblüten

10 Dolden Holunderblüten

Gelierzucker


Rosenblüten mit 500ml Wasser 10 Minuten kochen, abseien und in den Rosensud die Holunderblütendolden einlegen. 2-3 Orangenscheiben hin zu und mit geschlossenem Deckel eine Nacht stehen lassen.

Am nächsten Tag den Blütensud abseien, um die Holunderblüten und Orangenschalen herauszusieben. Orangen filetieren und in den Sud geben. Gelierzucker hinzufügen und unter Rühren 2-3 Minuten aufkochen lassen.

In Gläser füllen.

Genießen!



Himbeer-Lavendel Marmelade


1000g Himbeeren

10 Stängel Lavendelblüten

Gelierzucker


Himbeeren und die abgezupften Lavendelblüten kochen, bis die Himbeern eine breiige Masse ergeben. Durch ein Sieb drücken, um Himbeerkerne und Lavendelblüten zu entfernen.

Gelierzucker hinzufügen und unter Rühren 2-3 Minuten aufkochen lassen.

In Gläser füllen.

Genießen!



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