• S. Marzian

Fräulein Anneliese gurrt.

Aktualisiert: Juni 8


Unsere Dachterrasse bietet einen wundervollen Ausblick auf die Kronen unserer Pflaumenbäume. Seit einiger Zeit stellen wir fest: Sie sind beliebter Landeplatz der Vogelwelt.

Vor allem die Tauben können es nicht lassen.

Dabei sollten sie es doch eigentlich besser wissen.

Schon des öfteren habe ich beobachtet, wie eine Wuchtbrumme von Taube (ich nenne sie Fräulein Anneliese) zum Landeanflug auf einen dürren Ast ansetzt. Nicht selten habe ich die Augen zugekniffen und auf das Kracks gewartet. Vergebens. Wenn ich die Augen wieder öffne, gurrt Anneliese und schwingt selig auf und nieder.

Habt ihr eigentlich auch das Gefühl, dass die Tauben immer fetter werden? Oder gibt es da Unterschiede zwischen Stadt- und Landtauben?


Gerade diskutiere ich mit meinem Mann, ob wir Fräulein Anneliese über ihr Übergewicht aufklären und sie auf die Folgen aufmerksam machen sollten (das Ästlein bricht, sie fällt, knallt auf den Ast darunter, flattert in Panik hoch, stößt sich den Kopf an dem Ast darüber, wird bewusstlos, plumpst wie ein nasser Sack runter und schlägt dann mit einem unschönen Flatsch auf dem harten Boden der Realität auf - Worstcase-Szenario).

Er entscheidet, dass es amüsant ist, dem Schauspiel beizuwohnen.


Der Ast, auf dem sich die Taube mit ihrer gänzlichen Fülle hat niedergelassen, ist hauch zart und schwankt jetzt hoch und runter. Armer Tropf. Noch findet er es sicher lustig. Aber lass das Volumenwunder mal täglich kommen. Ich warte auf den Tag, an dem die Bäume in den Streik treten. Die Blätter rauschen Parolen wie „Kampf dem fetten Federvieh!” oder „Schützt unsere Jungtriebe!”


Sicher mag Fräulein Anneliese das. Dieses Geschwanke. Das haben wir schon oft beobachtet. Wippende Taube. Sie schunkelt sich in eine Tauben-Trance. Dann nimmt sie die Welt in ihrem taubenhaften Ich-Denken wahr und schwuppt zum nächsten Ästchen.

Vielleicht ist ihr das Dilemma durchaus bewusst. Lieber gibt sie sich aber dem Genuss hin, als vernünftig zu sein und sich einen anständigen Ast zum Landen und Verweilen zu suchen.

Dieses Verhalten kommt mir mit einem mal seltsam vertraut vor. Es fallen mir zwei Worte dazu ein: Schokolade und Beziehungen.

Manchem sei es besser geraten, nicht so viel von der einen zu essen und von der anderen lieber die Finger zu lassen.

Gibt es eigentlich ein physikalisches Gesetzt, nach dem sich die Taube richten und ihr das Landen auf viel zu schmalbrüstigen Ästen ermöglicht? Herr Lesch, was würden Sie dazu sagen? Mein Vorschlag:

(Gewicht der Taube durch die Dicke des Astes mal Pi zum Quadrat - weil es sich so gut anhört.) Abschließende Fragen müssen dringend geklärt werden: Lieben es Tauben, auf Miniästen auf und ab zu schwingen, ohne die Sorge, es könnte das letzte Mal sein? Oder sind sie sich des Risikos voll bewusst, dass der Ast brechen könnte, sind aber so berauscht, dass der Adrenalinkick die Todesangst überwiegt?

Man weiß es nicht.

Vielleicht führe ich mit Frau Anneliese einstweilen ein Gespräch.

Oder wir warten ab.

Wenn es Knack macht, sage ich bescheid.

Versprochen.


Ich hätte Euch noch so viel zu erzählen,

aber morgen ist ja auch noch ein Tag.

Habt noch einen schönen Feiertag, bleibt gesund!

Eure Stephy

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Warum ich das mit dem Schreiben mache? Weil diese Wörter aus mir raus purzeln und es doch irgendjemanden geben muss, der sie auffängt, bevor sie auf den harten Boden der Realität knallen.

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Möchte zum Schluss noch kurz auf die Kommentarfunktion hinweisen, die gerne benutzt werden kann, meinerseits aber noch nicht optmiert wurde, sodass zur Zeit noch eine Anmeldung von Nöten wäre. Ist eben noch alles Neuland hier. Mein Künstlerherz würde es aber freuen. Außerdem kann, wer sich gemüßigt fühlt, meinen Künstler-Topf mit einem kleinen Obolus füllen. Gutscheine verkaufe ich allerdings nicht. Er wird regelmäßig geleert. Gerne schreibe ich Euch, zu welchem kreativen Zweck sein Inhalt genutzt wurde.

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