• S. Marzian

Glückliches Fernweh


Fernweh.

Ich habe welches.

Und alles nur, weil eine Freundin mir ein nettes Kompliment gemacht hat.

Du hast aber eine schöne Bluse an heute! waren ihre Worte. Ganz unbedacht. Ganz ehrlich und erfreut. Was sie damit bei mir anrichten würde, war ihr nicht bewusst.

Witzig ist in in diesem Zusammenhang auch, dass ich beim Schreiben ständig Fernweg geschrieben habe. Scheinbar will mein Unterbewusstsein ganz dringend Urlaub und einfach weg aus dem Alltag. Mein Bewusstsein ist aber momentan eigentlich sehr glücklich mit der Kinderbuchillustriersituation. Klar, es ist zeitweise stressig, aber macht unheimlich Spaß. Vor allem, wenn man weiß, man arbeitet auf ein wundervolles Ziel hin.

Zurück zum Kompliment, das so viele Wellen in mir geschlagen hat.

Als ich mich lächelnd und seufzend gleichzeitig neben sie setzte, sah mich meine Freundin fragend an. Und ich begann zu erzählen:

Die Bluse ist aus Hamburg. Die Stadt, an der mein Herz hängt. Jedes Frühjahr machen wir ein verlängertes Wochenende dort. Jedes Jahr in einem anderen Stadtteil. So haben wir in zehn Jahren viele unterschiedliche Gesichter dieser wunderherrlichen Stadt kennen und lieben gelernt. (Zwischen den Sätzen müsst Ihr Euch noch bitte ein von Herzen kommendes Hachz vorstellen.)

Dieses Jahr planten wir eine kleine Shopping-Tour im Karolinenviertel. Kleine sympathische Geschäfte und Cafés reihen sich dort in den alten Stadthäusern aneinander. Eine App spuckte eine Liste ausgefallener Läden aus. Fernab der Touristenmeilen. Dabei fiel uns ein Name besonders ins Auge: Kauf Dich Glücklich. Ganz unsere Kragenweite. Genau das, was wir suchten. Fanden wir. Und wir machten uns auf den Weg. Mit Bahn und zu Fuß. Mit ganz viel Euphorie und kribbeligem Bauchgefühl im Gepäck. Das legte sich allerdings ganz schnell, als wir in einer schäbigen Seitenstraße vor der offensichtlich richtigen Hausnummer standen.

Durch das milchig-versiffte Schaufenster konnte man in einen dämmrigen Raum gucken. Unsere Skepsis ließ uns aber nicht näher als nötig an die Glasscheibe treten. Da bemerkten wir das große Schild mit verschnörkelter Schrift über uns, das uns unmissverständlich zu verstehen gab, dass es in diesem Geschäft mitnichten Kleidungsstücke gab. Darauf waren wir auch schon ganz allein gekommen.

Wir standen vor einem Astro-Café. Ein Wahrsager bot seine Dienste an. Wir überlegten scherzeshalber, ob wir sie in Anspruch nehmen sollten, um zu erfahren, ob wir uns heute noch glücklich kaufen würden. Unser negatives Bauchgefühl riet uns aber dringend davon ab.

Da fiel unser Blick auf den Torbogen neben dem Laden. Im Halbdunkel konnte man das Wort Outlet und einen dicken Pfeil in Richtung Innenhof erahnen. Unser Abenteuer ging also weiter und kurze Zeit später standen wir vor einem Plakataufsteller. Was wir darauf lasen, ließ uns erleichtert aufatmen: Kauf Dich Glücklich - Outlet. Ein Pfeil lotste uns (wie sollte es angesichts der generell schrägen Situationskomik auch sein?!) eine schnöde 70er Jahre Kellertreppe hinunter. Wir traten durch ein helles Rechteck in mit Stoff vollgestopfte Räume mit niedriger Decke und SecondHandLaden-Charme. Unsere Skepsis war freudiger Vorfreude gewichen und wir stürzten uns in die Suche nach dem ultimativen Klamottenglück. Das fanden wir auch in Form von Blusen, Pullis und einem Rock.

Wer von Euch sich ebenfalls mal glücklich kaufen möchte und in der Nähe ist:

Das Kauf Dich Glücklich - Outlet befindet sich in der Bartelsstraße 55 in Hamburg.

Als ich zwischen meiner Fernweh-Geschichten-Erzählerei endlich mal wieder Luft holte, bemerkte ich das leicht verlegene Grinsen im Gesicht meiner Freundin, das mir zum einen sagte: So schnell werde ich sicher nicht nach Hamburg kommen! und Du laberst mich gerade tot!.

Selber schuld.

Was macht sie mir auch ein Kompliment?!


Ich hätte Euch noch so viel zu erzählen,

aber morgen ist ja auch noch ein Tag.

Habt noch einen sonnigen Montag und bleibt gesund!

Eure Stephy

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Warum ich das mit dem Schreiben mache? Weil diese Wörter aus mir raus purzeln und es doch irgendjemanden geben muss, der sie auffängt, bevor sie auf den harten Boden der Realität knallen.

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Wer sich gemüßigt fühlt, kann gerne meinen Künstler-Topf mit einem kleinen Obolus füllen. Er wird regelmäßig geleert. Gerne schreibe ich Euch, zu welchem kreativen Zweck sein Inhalt genutzt wurde. Zum Schluss möchte ich noch kurz auf die Kommentarfunktion hinweisen, die gerne benutzt werden kann. Mein Künstlerherz würde sich über Anregungen und Lob sehr freuen.

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