• S. Marzian

Ich hatte ein Hummel-Gespräch.

Aktualisiert: Juni 8


Aus dem Lavendel, der unsere Terrasse säumt, summt und brummt es. Ich höre zu und beobachte vom Blütenstaub beschwipste Hummeln, die von Blüte zu Blüte schlingern. Und das schon um zwölf Uhr mittags. Unfassbar.

Andererseits hat die Szenerie aber auch etwas Friedvolles. Nichts bringt sie aus der Ruhe. Selbst wenn sie von einem Riesen beobachtet werden.

Ein Gedanke schießt mir durch den Kopf.

Ja, Hummel müsste man sein.

Offensichtlich sind sie sehr leidenschaftlich. Sie geben sich dem Genuss hin. Den lieben langen Tag. Von morgens bis abends betörende Düfte und das leckerste Essen in Hülle und Fülle. Natürlich vorausgesetzt, man ist ein Insekt in einem Garten wie unserem.

Wenn ich an das Spargelrisotto von letzter Woche denke, werde ich auch zur Hummel.

Das Dickerchen, das mir am nächsten brummt, schaue ich mir genauer an. Überlege, ob es sich bei den Hummeln verhält, wie bei einem Schaf. Würde man sie scheren, bliebe ein mickriges Körperlein übrig. Oder isst sie einfach zu viel? Die Hummel im Generellen. Und wie bitteschön können diese winzigen Flügel den Wummel-Pummel-Körper tragen? Es ist wie bei einer Barbie-Puppe. Ihr Schicksal sind zu große Brüste und proportional dazu viel zu kleine Füße, die zudem durch exzessives Highheelstragen verkürzte Sehnen haben. Ewig dazu verbannt, auf Zehenspitzen zu laufen. Eigentlich müsste sie schlicht nach vorne kippen. Ursache und Wirkung. So ist das mit der Kausalität. Sollte man meinen. Die Hummel wiederum schafft es scheinbar wie durch Zauberei mit den kleinen Stummeln auf ihrem Rücken abzuheben. Das eine der Inbegriff eines Schönheitsideals, das andere ein Wunder der Natur. Das mittlerweile das Stadium Volltrunken erreicht hat. Schwanken die Hummeln vielleicht wegen ihres Flügel-Dilemmas so oder sind sie wirklich im Nektarrausch?

Ein besonders stattliches Exemplar steuert gerade mein Knie an und lässt sich tatsächlich darauf nieder. Sie stellt sich mir als Sumsebrums vor und spricht - wie sollte es auch anders sein - in Reimen. Wenn jemand nachlesen will, was diese Hummel zu der Flügelfrage zu erzählen hat, kann dies tun, indem er in diesem Artikel nach unten scrollt. Ich hoffe, Du bist Gedicht-fest.


Ich hätte Euch noch so viel zu erzählen,

aber morgen ist ja auch noch ein Tag.

Habt noch einen schönen Montag, bleibt gesund!

Eure Stephy

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Warum ich das mit dem Schreiben mache? Weil diese Wörter aus mir raus purzeln und es doch irgendjemanden geben muss, der sie auffängt, bevor sie auf den harten Boden der Realität knallen.

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Möchte zum Schluss noch kurz auf die Kommentarfunktion hinweisen, die gerne benutzt werden kann, meinerseits aber noch nicht optmiert wurde, sodass zur Zeit noch eine Anmeldung von Nöten wäre. Ist eben noch alles Neuland hier. Mein Künstlerherz würde es aber freuen. Außerdem kann, wer sich gemüßigt fühlt, meinen Künstler-Topf mit einem kleinen Obolus füllen. Gutscheine verkaufe ich allerdings nicht. Er wird regelmäßig geleert. Gerne schreibe ich Euch, zu welchem kreativen Zweck sein Inhalt genutzt wurde.


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Der Hummelflug

An einem sonnigen Herbstmorgen hockte die kleine Hummel Sumsebrums auf einem Brombeerblatt und besah sich aufmerksam ihr Spiegelbild in einem dicken Wassertropfen.

Stolz richtete sie sich auf, strich über ihren runden Bauch und plusterte ihr weiches Fell mit einem Puff auf.

Jetzt sah sie aus wie eine flauschige Kugel.

Kichernd drehte sie sich mal nach links, mal nach rechts, bis ihr Blick an den kleinen, schillernden Stummeln haften blieb, die aus ihrem Rücken ragten.

In der Wölbung des Tropfends sahen sie noch winziger aus.


„Ohje, ohje... Summ...summ!

Herrje, herrje... Summ...summ!“,

brummte die Hummel aufgeregt.


„Der Bauch so stattlich,

die Flügel so klein,

das Fliegen klappt prima -

wie kann das nur sein?... Summ...summ?“

Verwirrt stieß sie sich von ihrem Blatt ab und flog zum Fuße des Lebensbaums. Hier, im Herzen Assanthías, hatte das Hummelvolk seinen Palast unter den mächtigen Wurzeln des würdevollen, alten Baumes.

Sumsebrums wollte Königin Brummalla diese wichtige Frage stellen und tauchte im Sturzflug in den Höhleneingang. Vor Aufregung hörte sie noch nicht einmal die aufgebrachten Rufe der Palastwachen am Portal.

Ihr Gebrumm hallte von den kahlen Erdwänden.

Endlich hatte die kleine Hummel den Thronsaal erreicht.

„Königin,

oh, Königin!

Mir passierte grad ein Ding... Summ...summ!“,

stürmte Sumsebrums auf Königin Brummalla ein, die gerade einen Becher heißen Honigs mit einem Schuss Milch schlürfte.


„Welch Hetze, welche Eile!

Sumsebrums, was ist gescheh´n?

Wie kann ich Dir zur Seite steh´n?... Summ...summ?“,

fragte die Königin überrascht.


„Bitte, Königin, so sprich:

wie kann es sein,

dass meine Flügel,

obwohl sie klein,

tragen können mein Gewicht?... Summ...summ?“


Königin Brummalla schmunzelte amüsiert, stellte den Becher auf ein flaches Steintischchen neben sich und begann, mit ihrer warmen Stimme ein Lied zu singen:

„Zauber von Assanthía,

oh, so groß und wunderbar!


Aus deiner Macht erhoben sich

zu Anbeginn der Zeit

die Wälder so groß

mit magischer Kraft

und ihren Kronen so weit.

Zauber von Assanthía,

oh, so groß und wunderbar!


Derzeit lebten im ew´gen Wald

Wesen, so alt wie die Bäume.

Einst waren sie friedlich,

mieden Gewalt

und hatten erhabene Träume.


Zauber von Assanthía,

oh, so groß und wunderbar!


Jedes Geschöpf,

ob groß oder klein,

dein sanfter Finger berührte.

Gabst jedem dort mit deinem Schein

für sich seine wertvolle Bürde.


Zauber von Assanthía,

oh, so groß und wunderbar!“

Hier endete Königin Brummalla ihren Gesang. Sumsebrums wiegte ihren Körper immer noch in den sanften Klängen, die in ihren kleinen Ohren nachhallten.

Die Königin zwinkerte Sumsebrums zu:

„Uns Hummeln berührte der Zauber -

an was, das kannst Du dir denken,

er gab uns´ren Flügeln ganz viel Kraft

und uns viel Geschick, sie zu lenken!... Summ...summ!“


Ende.


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