• S. Marzian

Jahresrückblick 2020

Aktualisiert: Juni 8



Mein Kalender sagt mir, es ist Ende Mai.

Der 29. um genau zu sein.

Wer es wissen will: Es ist Tag der Büroklammer.

Ja, ich habe meine Büroklammern daher schon mehrfach geherzt, ihnen eine Liebeserklärung gemacht und eine Papierkrone gebastelt. Jeder einzelnen.

Mal im Ernst. Welcher Bürohengst hat sich das ausgedacht? Ein Beamter im Tipp-Ex-Rausch? Tatsächlich gibt es mehrere Listen im Internet, die uns sagen, was wir an jedem Tag des Jahres feiern und lobpreisen dürfen. Eine der vielen findet Ihr hier: Deutschland feiert.


Fast die Hälfte des Jahres ist um und schon jetzt oder vielleicht gerade jetzt überkommt mich ein heftiger Anflug von Nostalgie. Kann so ein Anflug nach zehn Wochen Pandemie bereits auftreten? Ich denke schon, denn ich habe ihn. Ich sehne mir meine Januar-Unbesonnenheit zurück. Wenn mir mein Zukunfts-Ich Anfang des Jahres hinter vorgehaltener Hand verkündet hätte, dass Social Distancing bald zur Tagesordnung wird und Mund-Nasen-Schutz zum modischen Frühjahr/Sommertrend 2020 wird, ich hätte mich lachend umgedreht und wäre gegangen. Vielleicht hätte ich noch den Kopf ungläubig geschüttelt und etwas gemurmelt wie „Guter Witz!”.


Wie gesagt, es ist Ende Mai. Da lohnt sich doch schon mal ein Ausblick auf den Rückblick des Jahres 2020. Am besten verpackt in eine allseits beliebte Samstagabend-Spielshow, in der Schwiegermamas Liebling Jörg Pilawa alle Jahre wieder Gäste wie Jauch, Liefers, Schöneberger und Co. begrüßen. Eingemummelt in eine Decke und mit einem dampfenden Glühwein in der Hand (draußen denken wir uns für die Endzeit - äh Endjahresstimmung - die für Dezember üblichen zwei Grad minus von vor zehn Jahren. Ja, mein Sarkasmus läuft heute auf Hochtouren.) lehne ich mich zufrieden in die Couchkissen zurück und stelle mir hunderte Menschen eingepfercht in ein Studio vor. Sie lachen, jubeln und klatschen.

Sie sitzen dicht an dicht. Ohne die geringste Scheu. Ohne den geringsten Zweifel daran, etwas falsch zu machen oder dem Wohle aller damit zu schaden. In diesem Punkt bin ich mir sicher, dass diese Zeit mit glühenden Eisen eine gewisse Angst oder trainierte Vorsicht tief in unser Unterbewusstsein einbrennen wird. Oder bereits hat.


Zurück zur Show, die kürzer und düsterer ist, als jede Samstag-Abend-Show, die jemals gesendet wurde. Denn es gibt ja nur ein Thema: die Pandemie. Ein stimmungsvoller Einspieler, der wie ein Science-Fiction-Streifen anmutet, fasst die Topics des Jahres zusammen: China im Lockdown, Deutschland im Lockdown, die ganze Welt im Lockdown. Unser Globus ein einziger Escape-Room - allerdings ohne Ausgang - und die Folgen, die bis zum Jahresende andauern. Über allem schwebt das Damoklesschwert Social Distancing, das von dem unsichtbaren Todfeind Corona geschwungen wird.


Die Gäste müssen Fragen beantworten wie: Wann startete der Lockdown in Deutschland? Wann hatte Laschet die zündende Idee, die uns den zweiten Lockdown bescherte? Mit welchen Mitteln wollte der amerikanische Präsident Corona bekämpfen? (Die Nennung von fünf Beispielen reicht - die Liste ist ja umfangreich.) Weiter geht es mit: Wie viele Amerikaner hätten wir einsperren müssen (oder Schlimmeres), damit Trump die Wahl verloren hätte? Wieviel Klopapier verbraucht eine vierköpfige Familie im Durchschnitt? Welche positiven Effekte hatte Corona für die Umwelt? Nach wie vielen Versuchen, gaben die Amerikaner die Sache mit der Raumfahrt auf? Und wie heißen die beliebtesten Virologen, deren Fotos jeder Haushalt ins Pandemimi-Album klebte?


Schon nach einer halben Stunde schalte ich mein Kopfkino aus.

Denn diese Aussicht macht mir bewusst, dass ich in diesem Jahr keinen Jahresrückblick 2020 sehen möchte.


Ich hätte Euch noch so viel zu erzählen,

aber morgen ist ja auch noch ein Tag.

Habt noch einen schönen Freitag, freut Euch aufs Wochenende und bleibt gesund!

Eure Stephy

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Warum ich das mit dem Schreiben mache? Weil diese Wörter aus mir raus purzeln und es doch irgendjemanden geben muss, der sie auffängt, bevor sie auf den harten Boden der Realität knallen.

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Möchte zum Schluss noch kurz auf die Kommentarfunktion hinweisen, die gerne benutzt werden kann, meinerseits aber noch nicht optmiert wurde, sodass zur Zeit noch eine Anmeldung von Nöten wäre. Ist eben noch alles Neuland hier. Mein Künstlerherz würde es aber freuen. Außerdem kann, wer sich gemüßigt fühlt, meinen Künstler-Topf mit einem kleinen Obolus füllen. Gutscheine verkaufe ich allerdings nicht. Er wird regelmäßig geleert. Gerne schreibe ich Euch, zu welchem kreativen Zweck sein Inhalt genutzt wurde.



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