• S. Marzian

Jedem sein Tupperdöschen


Kommst du zur Tupperparty am Freitag? Das ist eine Frage, die mehrere sich für mich ausschließende Komponenten beinhaltet. Du (also Ich) - Tupper - Party - Freitag.

Für den ein oder anderen mag es ein freudiges Ereignis in illustrer Runde sein. Man lernt dort Mitmenschen kennen, die ganz überschwänglich verzückt von der Auslegeware sind, vielleicht aber auch nur dezent zurückhaltend erfreut oder sich genauso deplatziert fühlen, wie man selbst. Letztere Gruppe sollte sich wirklich überlegen, ob sie bei der nächsten Einladung nicht direkt absagt.

Wenn man eine Einladung erhält ist man ja grundsätzlich erstmal erfreut. Man hat Jemandes Wertschätzung, die er damit zum Ausdruck bringt, dass man Teil seiner sozialen Gruppe und einer gesellschaftlichen Zusammenkunft sein soll. Grundsätzlich also ein Grund zum Freuen. Bis durchsickert, was der Grund dieses Treffens ist. Es folgt die Überlegung, ob der Anlass des Ereignisses für einen selbst so interessant ist, dass man hingehen möchte. Die letzte Hürde ist natürlich der Termin. Der hätte bei mir gepasst. Ein Freitagabend.

Bei der Einladung meiner Freundin habe ich mich zunächst über die Sache an sich gefreut. Momentan ist für mich allerdings allein der Begriff Party ein Schnappatmungsthema. Ich bin eben ein vorsichtiger Mensch und habe Verantwortung für meine Familie. Wenn eine Veranstaltung droht, über mehr als drei Menschen hinaus zu gehen, die ich womöglich noch nicht einmal kenne, dann mache ich den Forrest Gump. Dann gab mir der Mann unmissverständlich zu bedenken: Unsere Schränke sind voll, was willst Du mit so einem Plastikkram?! Allerdings wäre ich auch ohne seinen Ratschlag und ohne lange Überlegungsphase zu selbigem Schluss gelangt.

Seinen wir mal ehrlich, diese Abende laufen doch immer nach demselben Schema ab. Die Gastgeberin bereitet Häppchen für die Teilnehmer|innen vor, die ganz aufgeregt schnatternd voller Vorfreude eintrudeln. Sie warten nicht lange. Denn schon stöckelt eine für den Anlass herausgeputzte Dame mit einem Rollkoffer im Überformat in die Wohnung und breitet vor den gespannten Teilnehmer|innen ein Füllhorn kleiner und großer Kunststoffbehälter mit bunten Deckelchen aus. Diese preist sie mit viel Witz und Gekicher den Damen als DAS Musthave an, die sich dieser übersprühenden Energie nicht entziehen und nicht anders handeln können, als die Bestellliste mehr als nötig zu füllen. Darüber freut sich wiederum die Gastgeberin, die bei gutem Verkauf ein Plastikpöttchen gratis erhält. Für den Seelenfrieden.

Das wäre mir als Schadensersatz eindeutig zu wenig.

Aber gut. Jedem sein Tupperdöschen.


Die gestrige Autofahrt nach Köln war mal etwas Besonderes für mich, sitze ich doch sonst immer hinter dem Steuer. Man jetzt denken, wichtiger Termin - da fährt der Mann.

Nein, so ist das bei uns nicht. Es war eher mein eigener Wunsch: Fahr du, ich fahr sonst immer.

Jedenfalls habe ich festgestellt, dass ich gerne als Beifahrer fahre. Man kann sich zurück lehnen, die Gegend bestaunen, andere Autofahrer beim Handytippen, Popeln oder Rauchen beobachten UND Wattewolkenbilder gucken. Bei dem wunderherrlichen Wetter schwebten die dicksten puffigsten Wolken über den blauen Himmel, die aussahen wie ein Miniwal, ein Raumschiff, eine Schnecke und ein Drache. Statt letzterem hat mein Mann einen Elefanten gesehen. Nun gut.

Leider verschwanden die Wölkchen, je länger wir fuhren, und ein fürchterlich blauer Sommerhimmel machte sich bei unverschämten vierundzwanzig Grad über uns breit. Was für ein Horrorszenario.

Eine andere Beschäftigung musste also her. Mit dem Mann reden. Sehr unterhaltsam. Wir führen immer schöne und unterhaltsame Gespräche. Dabei fiel unser Blick gleichzeitig auf das Nummernschild eines vorbei fahrenden Autos: FFB… Fürstenfeldbruck.

Was wie aus dem Nichts einen beiderseitigen Lachanfall zur Folge hatte. Damit Ihr mitlachen könnt: Vor etwa vierzehn Jahren fuhren wir zu viert zu einer Photomesse nach eben besagtem Fürstenfeldbruck bei München. Mein Mann als Programmierer, unsere Kundenbetreuerin, eine Studentin und meine Wenigkeit als grafische Leitung eines Fotobuchherstellers.

Die studentische Aushilfskraft entpuppte sich nach kurzer Zeit als Hamster. Alles Essbares, was sie in die Finger bekommen konnte, wurde gehortet, in Tupperdosen verpackt und für die Rückfahrt im Koffer verstaut. Beispielsweise lief sie über die Messe und kam mit den Händen voller Kekse und Hanuta wieder. Fragte, ob sie die Kaffeetasse vom Stand behalten könne. Der Oberkracher spielte sich aber ab, als wir abends von einer befreundeten Firma zum Spargelbuffet in ein Restaurant eingeladen wurden. Als wir das Essen beendet hatten, fragte sie über den ganzen Tisch: Stephy, Du hast doch noch die Tupperdosen von der Hinfahrt im Auto?!…

Schlagfertigkeit ist eigentlich nicht so meine Stärke - allerdings habe ich die Situation mit dem Satz Die habe ich im Hotel und außerdem bin ich satt. einigermaßen überspielt. Die Studentin trollte sich etwas schmollend, kam aber tatsächlich mit einer Orange vom Buffet wieder, was wohl das einzige war, was man wenn man schon so dreist wie sie war, ohne Behältnis mitnehmen konnte.

Studenten haben zwar bekanntlich nicht viel Geld, aber Leute. Mal ehrlich.

Ob sie mittlerweile ihr Psychologiestudium (?) beendet hat, weiß ich leider nicht, aber ich bin mir sicher, dass sie ganz bestimmt zu der Tupperparty meiner Freundin gegangen wäre.


Ich hätte Euch noch so viel zu erzählen,

aber morgen ist ja auch noch ein Tag.

Habt ein schönes Wochenende und bleibt gesund!

Eure Stephy

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Warum ich das mit dem Schreiben mache? Weil diese Wörter aus mir raus purzeln und es doch irgendjemanden geben muss, der sie auffängt, bevor sie auf den harten Boden der Realität knallen.

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Wer sich gemüßigt fühlt, kann gerne meinen Künstler-Topf mit einem kleinen Obolus füllen. Er wird regelmäßig geleert. Gerne schreibe ich Euch, zu welchem kreativen Zweck sein Inhalt genutzt wurde. Zum Schluss möchte ich noch kurz auf die Kommentarfunktion hinweisen, die gerne benutzt werden kann. Mein Künstlerherz würde sich über Anregungen und Lob sehr freuen.

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