• S. Marzian

Sonntags.

Aktualisiert: Juni 8


Mein Kalender sagt mir, es ist Sonntag.

Eigentlich fühlen sich zur Zeit viele Tage wie Sonntag an. Vor allem die, an denen es Erdbeeren gibt. Und es beim Spazierengehen nach Holunder- und Heckenrosen duftet. (Ich berichtete von meinem Hang zu diesen Düften.)


Manchmal ist ein Tag auch nur abschnittsweise wie Sonntag. Aber immerhin.

Wenn ich um sechs Uhr morgens aufstehe, steht die Welt bei uns noch still. Von draußen höre ich allenfalls ein leises Vogelgezwitscher. Als ob die Vogeleltern sich flüsternd unterhalten, um die Brut aus Gründen nicht allzu früh zu wecken. Hier drinnen ist es, als atme das Haus gleichmäßig und ruhig vor sich hin. Auch der Teekocher kann die Stille durch sein Blubbern nicht stören. Wenn ich mich dann mit meiner dampfenden Tasse, Bleistift und Papier an den Zeichentisch setze, bin ich mit der Welt und mir rundum zufrieden.

Ein Stückchen weise Sonntagsgefühl ist für mich auch, wenn ich trotz Leben nicht nur ein Buch in die Hand nehmen und es voller Hoffnung aufschlagen, sondern tatsächlich im Luxusfall eine halbe Stunde darin abtauchen kann.

Ein anderes Stückchen Sonntag ist der Spaziergang mit dem Lieblingsmann. Ein Ritual, das sich ergeben hat. Einerseits zum Kopf-frei-pusten, was durchaus regelmäßig nötig ist. Andererseits weil wir es als Selbstständige immer und überall können. Wenn wir es wollen.

Homeoffice ist eben Organisationssache. Da diese Art Arbeiten für uns seit zwölf Jahren Alltag ist, sind wir bereits Profis. Was Körper-Kontaktlosigkeit zur Außenwelt und Tagesabläufe angeht - wir halten uns wenigstens für welche.


Das Home-Schooling wurde von uns als willkommene Herausforderung angenommen. Es war vor allem für den Sohn eine ordentliche Umstellung. Wobei auch diese positiv zu sehen ist. Er lernt mehr als zu Schulzeiten, kann nach seinem Tempo die Aufgaben erledigen, die er machen möchte und hat die Freiheit, später aufzustehen. Letzteren Punkt kann ich auch nur begrüßen.

Meinen Arbeits-Rhythmus lässt das Leben mit der Zuhause-Schule einfach nur in anderem Takt schwingen. Ist man musikalisch, klappt der Wechsel fließend.


Bei eben erwähntem Spaziergang am heutigen Sonntag ist mir etwas aufgefallen. Es gibt tatsächlich Leute, die aus scheinbar anderen Gründen als wir, im Wald flanieren. Es kommt ein Pärchen mit zwei Hunden entgegen. Beide halten ihr Handy in der Hand. Den Rest könnt Ihr Euch denken. Wir schütteln nur den Kopf. Mehr habe ich dafür nicht übrig.

Man streift also weiter durch den Wald und fühlt sich nach geraumer Zeit beobachtet. Schaut Euch alte Baumstämme mal ganz genau an. Bäume haben Augen, Nasen - ganze Gesichter. Sie schauen mal griesgrämig, mal erstaunt, neugierig oder verwundert - vielleicht sogar fremdverschämt wegen Leuten wie eben.

Man weiß es nicht so genau.

Ich hätte Euch noch so viel zu erzählen,

aber morgen ist ja auch noch ein Tag.

Habt noch einen schönen Montag, bleibt gesund!

Eure Stephy

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Warum ich das mit dem Schreiben mache? Weil diese Wörter aus mir raus purzeln und es doch irgendjemanden geben muss, der sie auffängt, bevor sie auf den harten Boden der Realität knallen.

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Möchte zum Schluss noch kurz auf die Kommentarfunktion hinweisen, die gerne benutzt werden kann, meinerseits aber noch nicht optmiert wurde, sodass zur Zeit noch eine Anmeldung von Nöten wäre. Ist eben noch alles Neuland hier. Mein Künstlerherz würde es aber freuen. Außerdem kann, wer sich gemüßigt fühlt, meinen Künstler-Topf mit einem kleinen Obolus füllen. Gutscheine verkaufe ich allerdings nicht. Er wird regelmäßig geleert. Gerne schreibe ich Euch, zu welchem kreativen Zweck sein Inhalt genutzt wurde.

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