• S. Marzian

Von der Präsenz der Distanz

Aktualisiert: Juni 8



Manchmal gehe ich in dieses Draußen. Heute auch. Als ich so durch die kleine Einkaufsstraße unseres Städtchens wandelte, fiel mir ein Aushang an der Apotheke auf: Kalkarer helfen Kalkarern Im Angebot waren „Einkaufen”, „Nachhilfe”, „Gassigehen” und mein besonderes Augenmerk hatte

„Einfach nur reden”.

Da fiel mir mal wieder auf, wie gut ich es doch habe mit dem großen und dem kleinen Mann. Wir können reden, uns in den Arm nehmen, auch mal anzicken - aber das gehört auch dazu - und uns nah sein.

Ganz anders sieht es bei alleinstehenden und älteren Leuten aus, die derzeit schon allein durch den Besuch des Postboten beglückt sind, weil sie von Angesicht zu Angesicht wenigstens ein „Guten Morgen” oder „schönes Wetter heute” austauschen können.

Aus der Distanz. Aber persönlich. Eine andere Art einer längeren Kommunikation gibt es für viele kaum. Ein Telefonat hilft vielleicht für den Moment. Kann aber das Gespräch mit einem körperlich anwesenden Gegenüber einfach nicht ersetzen.

Diese Distanz hat und wird uns und ganz besonders unsere Kinder für die Zukunft prägen. Ob positiv oder negativ hängt vermutlich von der Person und den umgebenden Umständen ab.

Die Schule meines Sohnes hat vom ersten Tag des Lockdowns versucht, die Distanz zu überbrücken, und viel an Präsenz gezeigt. In Form von Informationsschreiben via E-Mail. Versteht sich.


Jetzt sollen die Kinder körperliche Präsenz zeigen - zwecks Lehrersichtung, neuerliche Gemeinschaftsbildung und Klärung von Fragen, die beim Distanzlernen so aufkommen. Bis zu den Sommerferien sind es nun noch sechs Wochen. Ab dem 26. Mai sollen die Jahrgänge 5 - 8 unseres Gymnasiums wieder die Schulluft schnuppern. Allerdings ist hier das Zauberwort Rollieren. Bedeutet, einmal pro Woche heißt es: „Maske auf!”, „Wehe, du packst was an!” und „Kommt Euch nicht zu nah.”

Wer rechnen kann, kommt schnell darauf, dass bis zu den Sommerferien noch ganze 3-4 Schultage anstehen.

Einerseits bin ich natürlich wegen der Risiken besorgt, die dieses Vorgehen birgt. Die Kinder könnten für uns Erwachsene zu Virenmutterschiffen werden - stelle mir gerade Fledermäuse vor. Klein und niedlich. - und die Infektionsrate wieder in die Höhe schnellen lassen.

Andererseits freut es mich für die Kinder, die sich endlich persönlich wieder sehen können - zwar unter erschwerten Auflagen, aber mein Sohn war noch nie der Kuscheltyp. Fußballspielen und Rumblödeln werden auch ohne Körperkontakt funktionieren. Da bin ich mir sicher.

Außerdem fühlt sich dieses „einmal in der Woche Seminar und bis dahin Aufgaben erledigen und Erarbeiten” an wie in meinem Studium.

Irgendwie ist es das ja auch.

Für uns alle.


Ich hätte Euch noch so viel zu erzählen,

aber morgen ist ja auch noch ein Tag.

Habt noch einen schönes Wochenende und bleibt gesund!

Eure Stephy

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Warum ich das mit dem Schreiben mache? Weil diese Wörter aus mir raus purzeln und es doch irgendjemanden geben muss, der sie auffängt, bevor sie auf den harten Boden der Realität knallen.

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Möchte zum Schluss noch kurz auf die Kommentarfunktion hinweisen, die gerne benutzt werden kann, meinerseits aber noch nicht optmiert wurde, sodass zur Zeit noch eine Anmeldung von Nöten wäre. Ist eben noch alles Neuland hier. Mein Künstlerherz würde es aber freuen. Außerdem kann, wer sich gemüßigt fühlt, meinen Künstler-Topf mit einem kleinen Obolus füllen. Gutscheine verkaufe ich allerdings nicht. Er wird regelmäßig geleert. Gerne schreibe ich Euch, zu welchem kreativen Zweck sein Inhalt genutzt wurde.



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