• S. Marzian

Von Kunst bis Weckruf

Aktualisiert: Juni 8



Heute ist der zweite Mai, sagt mir mein Kalender.

Er ist analog. Ganz Oldschool zum Reinschreiben mit wahlweise Füller oder einem anders gearteten Stift, der gerade zur Hand. Zur Abwechslung weiß ich sogar mal, welcher Wochentag heute ist. Es ist der Tag nach dem Feiertags-Freitag.

Wochentags ist es damit nicht so einfach. Da kann man derzeit schon mal durcheinander kommen. Ihr kennt das ja sicher. Vom Gefühl her bin ich mittlerweile irgendwo im Nirgendwo des Homeoffice-Homeschooling-Haushalts-Dramas gestrandet, aus dem mich nur die kleinen Wesen befreien, die jeden Tag aus meinem Bleistift oder Pinsel aufs Papier huschen.

Ja, manche reden dann auch mit mir. Manche sind sehr bescheiden und liebenswert. Manche moppern, dass ich ihnen stante pede eine stupsigere Nase oder flauschigeres Fell malen soll.

Das ganz alltägliche Künstlerchaos.

Man kennt das ja.

Ich möchte Euch aber nicht mit meinem sachten Hang zur Schizophrenie langweilen - vielleicht würde es den ein oder anderen Therapeuten interessieren - aber nein, schon gar nicht in diesem meinem aller ersten Blog-Eintrag. Viel lieber möchte ich mit Euch - um mich hier ein wenig vorzustellen - über das reden, was mich schon immer ausgemacht hat, wofür ich brenne und welche Leidenschaft ich ganz neu für mich entdeckt habe. Das Zeichnen.

Ich wurde mit einem Stift in der Hand geboren. Das behauptet zumindest meine Mutter. Mütter sehen ja mit einem eher verklärten Blick auf ihre Brut, aber in diesem Fall ist es wohl so gewesen.

Denn es hat mich nie etwas so sehr ausgefüllt, wie abzutauchen in andere Welten aus Graphit Acryl- oder Aquarellfarbe. Und wenn die Farbe wie Honig an meinen Fingern klebt, ist es am schönsten.

Vor genau 37 Tagen habe ich angefangen, mich an Twitter heranzutasten. Wie soll man auch sonst die Tage in Isolation rumkriegen? Mit anderen über das aktuelle Tagesgeschehen zu reden, diskutieren oder auch mal die Ernsthaftigkeit durch ein Augenzwinkern einen Moment lang wegzublinzeln, erschien mir eine durchaus annehmbare Alternative zu allem anderen.

Der Mensch - also ich im speziellen - ist aber nicht zufrieden, wenn die Herausforderung fehlt. Also suchte ich mir eine und fand sie in meinen morgendlichen Zeichnungen:

Meist sehe ich am Tag vorher ein Bild oder jemandes Gedankenkarussel entspringt ein Satz, der mich zum nächsten #Doodle in the mooorning inspiriert. So war es auch gestern, als ich den Post von @weeklyspectator entdeckte und mein Herz förmlich dahin schmolz. Die nächste Idee für meinen heutigen Weckruf war geboren.

Warum es #Doodle in the mooorning heißt? Nun zum einen, weil der englische Ausdruck „doodle” im deutschen „Gekritzel” heißt. Zum anderen bin ich schon immer ein frühes Vögelchen gewesen. Sehr zum Missfallen meines Mannes - anderes Thema. Um eine gewisse Routine in dem anfangs noch recht chaotischen Corona-Alltag zu bringen, fing ich an, jeden Morgen eine kleine Zeichnung anzufertigen. Von Tag zu Tag machte es mir immer mehr Spaß. Mittlerweile ist es zu einer regelrechten Sucht geworden. Manchmal frage ich mich, wie ich da bloß wieder raus komme, wenn der ganze Mist vorbei ist? Vorausgesetzt ich will überhaupt damit aufhören. Versteht sich.

Jedenfalls hatte ich dann die Idee, meinem Twitter-Account eine irgendwie geartete Tradition zu verpassen in Form des oben bereits erwähnten Weckrufs.

Ich gebe zu, ein kleines bisschen habe ich dabei auch an Trigger und Nutsy gedacht. Den Disney-Film Liebenden der alten Stunde werden diese Namen sicher bekannt vorkommen. Mein absoluter und noch nie vom Sockel geschubster Disney-Klassiker ist und bleibt „Robin Hood”. (Dicht gefolgt von „Die Hexe und der Zauberer” - aber dieses Quentchen Awww-herrlich-seufz-Gefühl ist bei Robin Hood einfach stärker ausgeprägt.) Für alle, denen diese Charactere und auch der Film völlig unbekannt sind (Asche über Euer Haupt!): Das bekloppte Geier-Duo wacht über die nächtliche Burg ruft zu jeder vollen Stunde: EIN UHR NAAAACHT! UND AAAALLES IN OOOORDNUNG!”

Muss schon wieder grinsen, wenn ich daran denke.

Aus gegebenem Wetteranlass gehe ich jetzt mit meinem Teepott auf die Couch

und hole die DVD aus dem Schrank.

Ich bin dann mal in Camelot.

Ich hätte Euch noch so viel zu erzählen,

aber morgen ist ja auch noch ein Tag.

Liebe Grüße,

Stephy

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Warum ich das mit dem Schreiben mache? Weil diese Wörter aus mir raus purzeln und es doch irgendjemanden geben muss, der sie auffängt, bevor sie auf den harten Boden der Realität knallen.

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Möchte zum Schluss noch kurz auf die Kommentarfunktion hinweisen, die gerne benutzt werden kann, meinerseits aber noch nicht optmiert wurde, sodass zur Zeit noch eine Anmeldung von Nöten wäre. Ist eben noch alles Neuland hier. Mein Künstlerherz würde es aber freuen. Außerdem kann, wer sich gemüßigt fühlt, meinen Künstler-Topf mit einem kleinen Obolus füllen. Gutscheine verkaufe ich allerdings nicht. Er wird regelmäßig geleert. Gerne schreibe ich Euch, zu welchem kreativen Zweck sein Inhalt genutzt wurde.

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