• S. Marzian

Von schwedischer Raumzeit


Da hat mich gestern doch glatt ein Tweet an meinen Hang zu Schweden erinnert.

"Was würden Schweden wohl in Sachen Snacks und Fast Food vermissen, wenn sie in London sind?", fragte ein Schriftsteller, der offenbar für sein derzeitiges Buchprojekt recherchiert.


Als wir vor einigen Jahren zum ersten mal in Schweden waren - und wir waren wirklich im richtigen Schweden Schweden noch drei Stunden nördlich von Stockholm in einer Küstenstadt und nicht in einer der Touristen-Hochburgen - haben wir sehr interessante Leckereien kennengelernt. Das skurrilste war die Fischpaste aus der Tube, die tatsächlich auf Brot, Ei und Kräckern unglaublich gut schmeckte! Wenn man in Rotem Heringssalat den Hering nicht mag - solche Leute soll es geben… *räusper - dann wird man in Schweden das Schlaraffenland des Rötbetssallads entdecken! Himmlisch! Was die schwedische Küche generell von unserer unterscheidet, ist die Frische der Zutaten.

Die Leute gehen sie einfach sammeln:

Da Schweden keine Gartenzäune mögen (scheinbar ein urtypisch Deutscher Spleen, wie könnte es auch anders sein), ging man durch den Garten unserer Freunde direkt in den angrenzenden Wald. Ist man Ende August dort, nimmt man besser eine große Schüssel mit. Denn wenn man gebückt und mit geöffneter Hand etwa auf Wadenhöhe zwischen den Bäumen herumstreicht, hat man die Schüssel nach kurzer Zeit voller Wald-Blaubeeren. Sie sind kleiner als die üblichen aus dem Supermarkt. Tatsächlich gibt es in gleicher Größenordnung auch Wald-Himbeeren.

Bei einem Ausflug in ein nahegelegenes Waldgebiet gab es für uns noch mehr zu staunen. Dieser Wald sah nicht annähernd so aus wie deutsche Misch- oder Nadelwälder. Der uns bekannte weiche, leicht nach moderigem Laub riechende Boden war praktisch nicht vorhanden. Wir kletterten stattdessen über Felsen, zwischen denen Cranberry-Büsche wuchsen. Wo kein Stein die Erde bedeckte, taten dies Teppiche aus Blaubeeren. Dazwischen wuchsen die größten Pfifferlinge, die ich je gesehen habe. Für die Schale, die wir mit nach Hause brachten, hätte man bei uns auf dem Wochenmarkt gut fünfzig Euro berappen müssen.

Von einer anderen liebenswerten Eigenart möchte ich hier noch erzählen: Die Schweden haben es nicht so genau mit Zeit in Kombination mit Entfernung. Wie uns hinterher bewusst wurde, ist dies auch kein Wunder. Bei großer Landfläche und geringer Einwohnerzahl liegen oft Welten zwischen Dörfern und Städten.

Unsere Freunde erzählten uns jedenfalls ganz aufgeregt von URKULT. DEM jährlichen Festival, das zu ihrer grenzenlosen Begeisterung genau in unsere Urlaubszeit fiel und zu dem sie gerne mit uns fahren wollten. Sie selbst treffen sich mit der Familie jedes Jahr und zelten dort mitten im Wald. Uns stand es frei, einen Tagesausflug zu unternehmen oder uns ebenfalls anzuschließen.

Für Interessierte hier ein Link: http://www.urkult.se/

Von unserem Ferienort aus seien es ja nur ein Stündchen Fahrt. Näsåker wäre ja nicht weit entfernt. Erklärten unsere Freunde.

Aus diesem einen Stündchen, man glaubt es kaum, wurden zweieinhalb Stunden Fahrt. Man sollte meinen, die Reise durch die wunderschöne und mystische schwedische Landschaft würde den Zeitfaktor wieder wett machen. Weit gefehlt. Hat man eine halbe Stunde rechts Felsen, links Felsen, rechts ne Kiefer, links ne Kiefer und vielleicht mal ein Stück glitzerndes Wasser eines Sees gesehen, hat man auch schon alles gesehen. Man fährt ein und dieselbe Straße im Schneckentempo immer geradeaus, ohne großartige Abwechslungen und ohne einem anderen Autofahrer zu begegnen. Mir schwirrten Horror artige Gedanken mit Schneegestöber und vereister Fahrbahn in dunkler Nacht durch den Kopf. Ist man als Frau hier im Winter allein unterwegs und hat eine Panne, ist das kaputte Auto das geringste Problem, was man hat.

Näsåker ist übrigens eine schwedische Ortschaft mitten im Nichts mit etwas über 500 Einwohnern. Urkult ist dort DAS Ereignis im Jahr. Wer kein Zelt hat, kann sich einfach privat auf einer heimischen Couch oder ähnlichem einmieten, denn die Näsåkaner sind wie die allermeisten Schweden sehr gastfreundlich.

Wir entschieden uns für die Tagestour, denn die Fahrt und die Erlebnisse auf dem Festival schafften uns so sehr, dass wir einfach nur noch in ein richtiges Bett versinken und einen komatösen Schlaf schlafen wollten.


Ich hätte Euch noch so viel zu erzählen.

Vor allem von unseren Urkult-Erlebnissen.

Das werde ich auch gerne noch tun.

Aber morgen ist ja auch noch ein Tag.

Habt noch einen schönen Montag und bleibt gesund!

Eure Stephy

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Warum ich das mit dem Schreiben mache? Weil diese Wörter aus mir raus purzeln und es doch irgendjemanden geben muss, der sie auffängt, bevor sie auf den harten Boden der Realität knallen.

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