• S. Marzian

Wir alle spielen Theater

Aktualisiert: Juni 8



Für die passionierten Galgenmännchen-Spieler habe ich heute das ultimative Gewinner-Wort:


Neuproduziertesersatzprogramm


Ich warte kurz.

Lasst Euch das mal eben auf der Zunge zergehen.

Ich überspiele dabei mein Frust-Erlebnis des gestrigen Abends und nehme einen Schluck Tee.


Es ist wie ein Hilferuf der Sendeanstalten.

An Stelle von Live-Sendungen wie die Samstagabend Familienshows, die ich als Kind so geliebt und nach dem Wannengang im Bademantel mit einer kleinen Schale (!) Erdnussflips im Schoß gucken durfte - danke Mama (Seufz) - tritt nun neu produziertes Ersatzprogramm.


Ein Moderator erzählt den weit auseinander sitzenden Gästen - Sicherheitsabstand muss sein! - vorausgesetzt es sind Gäste da, von den schönsten Momenten in seiner eigenen Sendung aus den letzten Jahren. Ich fühle mich schon ganz beseelt, wie beim Silvesterrückblick. Um dem Zuschauer diese skurrile Szenerie etwas vertrauter zu machen, gibt es eingespielten Applaus in verschiedensten Klatsch-Varianten. Großartig.

Bitte versteht mich nicht falsch. Sicherlich haben sich eine ganze Menge Leute hinter den Kulissen sehr viele Gedanken gemacht, wie man in dieser Situation dem Zuschauer etwas wenigstens Annehmbares anbieten könnte. Wie schon der Soziologe Erving Goffman so treffend festgestellt hat: "Wir alle spielen Theater." (Sehr zu empfehlendes Buch!) Das Leben ist eine Bühne und jeder spielt eine Rolle. Passiert aber etwas nicht dem Skript entsprechend, stellen wir verzweifelte Versuche an, die alte Norm wieder herzustellen. Was aber, wenn die vorherrschende Situation dies nicht hergibt? Ein sehr beliebtes Beispiel ist ja dieses Damoklesschwert "Schule", das derzeit über jedem kinderreichen Haushalt schwebt. Aber ich scheife ab.

Zurück zum Showbusiness.


Jetzt mal ganz im Ernst: Das TV-Programm ist doch derzeit dezent für die Tonne. Ein einziges Corona-Live-Ticker-Sendungsverschiebungs-Sondersendungen-Desaster. Leidtragende sind die Zuschauer, die sich zu Ablenkungszwecken einfach am Abend berieseln lassen wollen. Nicht weil sie das allumfassende Thema verdrängen oder gar ignorieren wollen. Es ist und bleibt ernst zu nehmen - aber zwischendurch mal eine kleine Ablenkung, um wieder Energie für den nächsten Tag, das nächste Hin- und Zurückgerudere der Politiker oder die verbalen Auswüchse orangener Männchen aus fernen Landen zu tanken, das wäre wirklich eine Wohltat.

Aber genug gejammert. Netflix und Co. geben sicher noch etwas Guckbares her. Falls jetzt jemand denkt, warum liest sie nicht einfach ein Buch? Das mache ich auch. Tagsüber. Damit ich mich am nächsten Tag erinnern kann, an welcher Stelle ich angestoppt (Wortkreation meiner Tochter - süß oder?) bin.

In diesem Sinne greife ich nun ins DVD Regal und lasse mich endlich berieseln. Wie es sich am Abend gehört.


Ich hätte Euch noch so viel zu erzählen,

aber morgen ist ja auch noch ein Tag.

Habt noch einen schönen Sonntag, bleibt gesund und

liebe Grüße,

Stephy

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Warum ich das mit dem Schreiben mache? Weil diese Wörter aus mir raus purzeln und es doch irgendjemanden geben muss, der sie auffängt, bevor sie auf den harten Boden der Realität knallen.

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Möchte zum Schluss noch kurz auf die Kommentarfunktion hinweisen, die gerne benutzt werden kann, meinerseits aber noch nicht optmiert wurde, sodass zur Zeit noch eine Anmeldung von Nöten wäre. Ist eben noch alles Neuland hier. Mein Künstlerherz würde es aber freuen. Außerdem kann, wer sich gemüßigt fühlt, meinen Künstler-Topf mit einem kleinen Obolus füllen. Gutscheine verkaufe ich allerdings nicht. Er wird regelmäßig geleert. Gerne schreibe ich Euch, zu welchem kreativen Zweck sein Inhalt genutzt wurde.



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