• S. Marzian

Wir müssen nur wollen.


Es war einmal ein Samstag und mein innerer Wecker ist entschieden gegen noch einmal umdrehen und dösen.

Da ja bekanntlich schwarzer Tee am Morgen die Geister wecken soll, probiere ich einen großen Becher und rüttele kräftig an ihnen herum. Leider ohne nennenswerten Erfolg.

Ich setze also darauf, dass das Wachwerden mit der Arbeit kommt und schlurfe zum Schreibtisch.

Draußen ist irgendein Singvogel gerade sehr unentspannt. Der, auf den er (vermutlich ist es eine sie) seine Schimpftirade gerade ablässt, möchte ich nicht sein.

Die Treppe knartscht. Von meinem Platz aus, kann ich sie nicht sehen. Nur hören. Den Fußtritten nach zu urteilen gibt sich aber der Lieblingsmann die Ehre.

Ich lehne mich in meinem Stuhl zurück. Denn nun folgt ein immer gleich ablaufender Geräuschetanz. Ein SWUSCH der Schranktür, gefolgt vom KLICK der Kaffeemaschine. Ein PLING der Tasse und Rauschen und Plätschern des Wassers, wenn er sie auswäscht. Ein Klack, gefolgt von schlurfenden Schritten und ein lautes TACK TACK TACK - Siebträger ausgehebelt, zum Mülleimer gegangen, Kaffeesieb ausgeleert - Dann werden die Bohnen unter Dröhnen, Ächzen und Stottern zermahlen und gleichzeitig der Siebträger damit befüllt. Der Höhepunkt dieses musikalischen Meisterwerks gipfelt im Kaffee-Aufguss, der die melodische Kombination aus Wasserfallplätschern und Flugzeugturbine vereint.

Die Ruhe danach ist himmlisch.

Der Schimpfvogel hat es auch aufgegeben.

Übrigens bin ich jetzt wach und kann nun endlich mit meiner Arbeit beginnen. Eigentlich ist es ja gar keine Arbeit. Es ist eher ein Dürfen, was man schon immer liebte und beruflich machen wollte, aber aus Gründen nicht durfte.


Wir müssen nur wollen. Ist doch ganz einfach. Oder?

Dazu kann ich noch von einer anderen Begebenheit berichten:

Die Sonne scheint. Es sind herrliche vierundzwanzig Grad. Das Wasser im Pool ist zwar mimikalt, aber eine Abkühlung ist unvermeidlich nötig. Ich will rein. Bis zu den Oberschenkeln einzutauchen ist es auch kein Ding. Aber mit jedem Zentimeter mehr Wasser näher an meinem Oberkörper wird dieses Ding zu einem Nein-Monster. Das fette NEIN in meinem Kopf schreit mich immer lauter an - aber da ganz hinten! Nein, noch weiter hinten in meinem Kopf fangen meine Helden an zu singen: Wir müssen nur wollen, wir müssen nur wollen, wir müssen nur…

Und sie haben ja so recht.

Also hüpfe ich auf der Stelle, rudere mit den Armen, dass das Wasser spritzt und irgendwann endlich meinen Körper bis zu den Schultern benetzt. Erst jetzt bemerke ich, dass ich den Refrain wie ein Mantra immer lauter vor mich hin singe, bis das letzte Wollen in gewagtem Untertauchen und zwei darauf folgenden verwegenen Schwimmzügen endet.

Der Lieblingmann findet mein Honigkuchengrinsen sehr amüsant. Aber wie soll man auch gucken, wenn man eine große Hürde überwunden hat, wenn man etwas geschafft hat, was man sich erst nicht zugetraut hat? Wie ein Honigkuchen. Eben.


Er quittiert es jedenfalls mit einem: Ich schicke Dich jetzt immer in den Pool, wenn Du schlecht gelaunt bist. Das scheint ja zu wirken.

Wenn er sich da so sicher ist. Vielleicht habe ich aber auch nur einen Kältestich.

In unserem Land der begrenzten Unmöglichkeiten sollen alle etwas wollen und müssen, was sie können. Aber was ist denn mit dem vorhin schon erwähnten Wollen dürfen? Und mit dem Wollen wollen?

Was mich zur Künstlerin macht und was ich kann, ist Malen und Schreiben. Jetzt freue ich mich darüber, dass ich die Möglichkeit erhalten habe, beruflich machen zu dürfen, was ich schon immer wollte und geliebt habe. Ich frage mich aber, ob ich da wäre, wo ich jetzt bin, wenn mir jemand gesagt hätte, dass ich müssen muss, was ich kann. Höchstwahrscheinlich würdet weder Ihr mich kennen, noch ich Euch. Was für eine katastrophale Vorstellung!


Ich lass das jetzt mal mit dem Denken und gehe lieber wieder in den Pool. Weil ich es wollen will und kann und darf.


Ich hätte Euch noch so viel zu erzählen,

aber morgen ist ja auch noch ein Tag.

Habt noch einen schönen Samstag und bleibt gesund!

Eure Stephy


P.S.: Hier das Video zu dem wundervollen Helden-Song Müssen nur wollen.

Lasst Euch den Text in den Ohren zergehen!



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Warum ich das mit dem Schreiben mache? Weil diese Wörter aus mir raus purzeln und es doch irgendjemanden geben muss, der sie auffängt, bevor sie auf den harten Boden der Realität knallen.

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Möchte zum Schluss noch kurz auf die Kommentarfunktion hinweisen, die gerne benutzt werden kann, meinerseits aber noch nicht optmiert wurde, sodass zur Zeit noch eine Anmeldung von Nöten wäre. Ist eben noch alles Neuland hier. Mein Künstlerherz würde es aber freuen. Außerdem kann, wer sich gemüßigt fühlt, meinen Künstler-Topf mit einem kleinen Obolus füllen. Gutscheine verkaufe ich allerdings nicht. Er wird regelmäßig geleert. Gerne schreibe ich Euch, zu welchem kreativen Zweck sein Inhalt genutzt wurde.

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