• S. Marzian

Worte, die bleiben

Aktualisiert: Juni 8



Der allseits übliche Rat von einer Generation zur anderen: „Schreib dir auf, was deine Kinder so erzählen.”

Nicht, dass ich meine Mutter nicht ernst nehmen würde. Man vergisst es aber dann doch immer wieder. Wie sehr man es sich auch vornimmt.

Was bleibt, sind zumindest Bruchstücke und Erinnerungsfetzen, die ich aus den ersten Jahren meiner Kinder auf kleinen Zettelchen in einem mit allerlei Glitzerzeug beklebten Holzkistchen aufbewahre - bis sie selbst die Nostalgie überkommt oder ich ihre eigenen Worte gegen sie verwenden kann (beispielsweise als Rache für die Pubertät).


Da hätten wir zunächst meinen Sohn, der auch heute durch sein analytisch-logisches Denken glänzt: Tatsächlich war AUTO die erste verbale Äußerung, die er in seinen Wortschatz aufgenommen hatte. Danach folgten Mama, Papa, Moma und Popa. Wer sich wundert, dem sei diese ganz schlüssige Erklärung gegeben: Oma ist auch eine Mama, also Moma und Popa - ihr könnt es Euch denken. Ist doch logisch.

Meine Tochter war schon immer eher die Wortakrobatin. Gingen wir in der Stadt spazieren, entdeckte sie viele PLAKLATE und auch mal eine KUSTULP - Man verdrehe die Buchstaben und füge noch ein R an. Na, wer kommt drauf?


Wenn die Kinder größer werden, entwickelt man Rituale, die sich auch in Worten widerspiegeln und die wir - wenn auch heimlich - noch bis ins Rentenalter pflegen werden. Zumindest bei meinem Sohn bin ich mir da ziemlich sicher. Da hätten wir zum Beispiel diese Worterfindung meiner Tochter: Abends sollte an der Stelle im Buch weitergelesen werden, an der wir am Abend zuvor „angestoppt” waren. Der Sohn hat es dann von seiner Schwester übernommen - äh „abgeerbt” - noch so ein Wort, das direkt im Duden Einzug halten müsste.


Wenn ich mir die Zettel in dem kleinen Kistchen ansehe, verstehe ich zwar, warum die ältere Generation nie müde wird, der jüngeren diesen traditionellen Rat aufs Auge zu drücken. Andererseits - geht es Euch vielleicht genauso? - ich bräuchte die Zettel gar nicht mehr. Es sind diese ganz besonderen Worte, die mit meinen Kindern gewachsen sind, unsere Leben geprägt, sich ganz tief in mein Herz gegraben haben und deswegen für immer bleiben.


Ich hätte Euch noch so viel zu erzählen,

aber morgen ist ja auch noch ein Tag.

Habt noch einen schönen Montag, bleibt gesund!

Eure Stephy

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Warum ich das mit dem Schreiben mache? Weil diese Wörter aus mir raus purzeln und es doch irgendjemanden geben muss, der sie auffängt, bevor sie auf den harten Boden der Realität knallen.

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Möchte zum Schluss noch kurz auf die Kommentarfunktion hinweisen, die gerne benutzt werden kann, meinerseits aber noch nicht optmiert wurde, sodass zur Zeit noch eine Anmeldung von Nöten wäre. Ist eben noch alles Neuland hier. Mein Künstlerherz würde es aber freuen. Außerdem kann, wer sich gemüßigt fühlt, meinen Künstler-Topf mit einem kleinen Obolus füllen. Gutscheine verkaufe ich allerdings nicht. Er wird regelmäßig geleert. Gerne schreibe ich Euch, zu welchem kreativen Zweck sein Inhalt genutzt wurde.

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